Diamonds Are Forever (1956) – A: Ian Fleming

Die Story: Bond soll eine Diamanten-Pipeline verfolgen, die von Afrika über England in die USA führt. In England steht ein gewisser Rufus B. Saye in Verdacht, in die Diamantenschmuggelei verwickelt zu sein. Bond reist als Schmuggler Peter Franks mit in Golfbällen versteckten Diamanten in die USA, nachdem er die Bekanntschaft von Tiffany Case gemacht hat, die für die Organisation tätig ist und Bond in die USA begleitet. Dort macht er eine weniger erfreuliche Bekanntschaft, nämlich die mit dem Spangled Mob und seinen Handlangern Winter und Kitteridge…

Nach Vesper Lynd, Solitaire und Gala Brand präsentiert Fleming hier seine bislang interessanteste Protagonistin: Tiffany Case, aufgrund persönlicher Erfahrungen Männern gegenüber eher reserviert und während des gesamten Romans zwischen Anziehung und Distanziertheit gegenüber Bond schwankend. Faszinierend ist, dass sie sich bis zuletzt nicht einordnen lässt: sie ist Vollblut-Gangsterin und Profi-Schmugglerin auf der einen Seite, zugleich aber auch Bond gegenüber loyal, ja geradezu freundschaftlich ohne sich in Abhängigkeit zu ihm zu begeben. Insofern mutet der Charakter noch komplexer an als Vesper Lynd im ersten Roman.

Bei Diamonds Are Forever habe ich zum ersten Mal das Gefühl, einem vertrauten Strickmuster zu begegnen, einer Formel, nach der Fleming seine Erzählungen aufbaut. Insbesondere fällt auf, dass Bond am Ende des Buches stets eine körperliche Misshandlung über sich ergehen lassen muss oder eine solche zumindest droht. Nach dem Teppichklopfer in Casino Royale und den glimpflich abgelaufenen Situationen in Live And Let Die (Kielholen) und Moonraker (Bunsenbrenner) erfährt Bond hier ein „Brooklyn Stomping, Eighty-Percenter“ durch die überzeugten Sadisten und Homosexuellen Winter (Wint) und Kitteridge (Kidd).

Wunderbar zeigt sich hier auch wieder Fleming’s Gabe, außergewöhnliche, in anderen Ländern und für andere Menschen aber ganz gewöhnliche Orte zum Schauplatz des Geschehens zu machen – etwas, was seinen Erzählungen diesen unnachahmlich weltgewandten Touch verleiht. Die vielleicht beste Szene spielt gerade an einem solchen Ort – in einem Schlamm- und Schwefelbad, in dem Wint und Kidd einen unglücklichen Jockey mit heißem Schlamm fast ersticken, weil dieser sich auf einen Deal mit Felix Leiter und seiner Pinkerton Detective Agency eingelassen hat. Ja, Felix Leiter ist wieder mit von der Partie. Nach der Haiattacke in Live And Let Die trägt er einen Stahlhaken anstelle der rechten Hand und ist für eine private Detektei tätig.

Das Finale spielt dann aber – wie in dem atmosphärisch und erzählerisch im übrigen kaum vergleichbaren Film von 1971 – an Bord eines Kreuzfahrtschiffes (Buch: Queen Elizabeth, Film: SS Canberra), wo es zu einer letzten Konfrontation mit Wint und Kidd kommt…

Fazit: Weniger aufregend als Live And Let Die und nicht auf dem schriftstellerischen Niveau wie Casino Royale, aber Tiffany Case und interessante Szenen (Schlammbad, Pferderennbahn) und Schauplätze (Las Vegas) machen Diamonds Are Forever zu einem durchaus ansprechenden Bond-Abenteuer.

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Thunderball (1965) – R: Terence Young

Gegenüber Goldfinger merkt man Connery erste Ermüdungserscheinungen in Bezug auf die Rolle an. In der Pre-Title blickt er im Gespräch mit der französischen Agentin (Maryse Guy Mitsouko – danke, IMDB) gelangweilt, als habe er einen Tag voller Schreibtischarbeit in seinem Büro vor sich. Auch in den Shrublandsszenen wirkt er fast zu routiniert, zu abgeklärt.

Überhaupt ist Thunderball vielleicht das erste ganz große, glatte Bond-Spektakel im eigentlichen Sinne: Emotionen wie beim Tod von Kerim Bey in From Russia With Love oder von Jill Masterson in Goldfinger zeigt Bond hier nicht, auch nicht beim Tod von Paula Caplan. Dafür bekommen wir zum ersten Mal einen Plot, in dem es um nicht weniger als um die nukleare Bedrohung der westlichen Welt geht. Wollte Goldfinger schon über Leichen gehen, um Fort Knox zu knacken, steht jetzt sogar die Auslöschung einer Stadt in Großbritannien oder den USA auf dem Spiel.

Und das Spiel mit den Schurken beherrscht Bond auch in diesem Film wieder virtuos, wenn er beispielsweise Largo bei der ersten Begegnung unmittelbar damit provoziert, dass er „the SPECTRE of defeat“ über seiner Schulter lauern sehe. Um dann gleich auch noch Largo’s Mädchen (Claudine Auger) zu einem Drink einzuladen. Das ist ganz Bond und vielleicht eine der besten Szenen im Film.

Und auch wenn Connery nicht mehr mit ganz dem Elan zu Werke geht wie in den Vorgängerfilmen: den hyper-maskulinen Mr. Kiss Kiss Bang Bang gibt er noch immer zuverlässig. Seine Interaktionen mit Frauen gestalten sich diesmal noch vielfältiger:

Die kühl-erotische Domino ist einmal hilfloses Mädchen, das unter Largo’s Fuchtel steht und in Bond einen potentiellen Retter sieht, dann wieder selbstbewusste Klassefrau, die sich nimmt, was sie will, ohne sich emotional abhängig zu machen. Interessant finde ich in letzterer Hinsicht ihr unbeteiligt-ironisches „oh so sad, it’s all over“ am Strand, als sie Bond missversteht und das Ende der Beziehung wähnt.

Fiona Volpe (Luciana Paluzzi) wiederum „takes Bond for a ride“ und gibt ihm mit Seitenhieb auf Pussy Galore im Vorgängerfilm deutlich zu verstehen, dass dieses böse Mädchen nicht durch Bond zum Guten bekehrt werden könne. Das zieht sie auch konsequent durch – und muss konsequenterweise dann auch sterben, erschossen von einem ihrer eigenen Leute. Well, „one can’t win ‚em all“.

Eher witzig gestaltet sich dagegen die Beziehung zu Patricia Fearing (Molly Peters), die nach anfänglicher Kühle ihre wilde Liebe zum Nerz entdeckt, nachdem sie Bond aus der schwächsten Szene des Films gerettet hat: der unfreiwillig komischen Stretching-Table-Attacke.

Brünett, Rot, Blond: für jeden ist also etwas dabei. Abgerundet wird die Girl-Group durch die schärfste Frau im Film, Martine Beswick. Wenn sie in sommerlicher Hose und mit Haarband durch Nassau flaniert gehört das zum heißesten, was die Bond-Serie zu bieten hat.

Thunderball war lange Zeit mein Lieblingsbond. Ob ich ihn heute noch als meine Nummer 1 einordnen würde – um das zu entscheiden, muss ich erst die Reihe komplettieren. Aber vielleicht muss auch nicht immer alles eingeordnet werden. Thunderball gehört auf jeden Fall zu meinen Lieblingsfilmen der Reihe, eben wegen seiner Größe und vor allem wegen seiner besonderen Unter-Wasser-Atmosphäre. Die hervorragenden Tauchaufnahmen ergeben im Zusammenspiel mit dem jazzigen Soundtrack von John Barry ein einzigartiges visuell-akustisches Erlebnis. Und ein richtig guter Bond zeichnet sich vor allem durch seine einzigartige Atmosphäre, seinen unverwechselbaren atmosphärischen „Fingerabdruck“ aus.

Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass diese einzigartige Atmosphäre von Thunderball indirekt dazu beigetragen hat, dass ich 1997 zu einem Bond-Fan geworden bin. Zu dieser Zeit lief regelmäßig „Underwater Love“ von Smoke City im Radio. Ohne den Titel des Songs oder den Interpreten zu kennen, hatte ich den Gedanken: „Ist das nicht der Titelsong von diesem einen Bond, der hauptsächlich unter Wasser spielt?“ War es natürlich nicht, aber der Song gibt musikalisch treffend wieder, was ich mit der Thunderball-Atmosphäre meine. Wenn Thunderball ein Musikstück wäre, wäre es wohl dieses – mehr noch als „Thunderball“ von Tom Jones oder „Mr. Kiss Kiss Bang Bang“. Und immerhin brachte mich der Gedanke auf die Idee, eine Liste der Titel aller Bond-Filme zu erstellen, die mir einfielen. Ich hatte alle bis auf „In tödlicher Mission“ (For Your Eyes Only) – irgendwie bin ich auf diesen Bond erst später aufmerksam geworden.

Und jetzt höre ich mir zum ungefähr fünften Mal hintereinander, während ich die letzten Sätze dieses Beitrags schreibe, „Underwater Love“ von Smoke City an.

Goldfinger (1964) – R: Guy Hamilton

Ich weiß auch nicht genau warum, aber früher bin ich mit diesem Klassiker nie so recht warm geworden. Vielleicht weil ich damals das Gefühl hatte, dass er sich in der Mitte ein wenig zieht? Vielleicht weil ich – als damals großer Fan der 80er-Bonds – die Action im Vergleich etwa zu den Luftkämpfen in Octopussy oder The Living Daylights eher unspektakulär fand?

Vielleicht lag es auch an dem Punkt, den ich noch heute als einzige objektive Schwäche dieses Filmes sehe: Bond ist im Vergleich zu seinen anderen Filmabenteuern hier in einer ausgesprochen passiven Rolle. Nach zwei Konfrontationen mit dem Hauptschurken und seiner Verfolgung in die Schweiz wird Bond von Goldfinger gefangen genommen und bleibt im Grunde bis zum Ende des Films in dessen Gefangenschaft, ohne viel zu bewirken. Dabei liegt es doch gerade in der Natur der Figur, dass sie proviziert, agiert und die Dinge ins Rollen bringt. Das – immerhin – wird ja in dem allgemein nicht sehr gelungenen Die Another Day schön ironisiert.

Vielleicht aber irre ich mich auch völlig, und Bond vollbringt umgekehrt gerade in diesem Film die männlichste und aktivste Tat all seiner Filmabenteuer, um die Pläne des Schurken zu durchkreuzen: Die Verführung von Pussy Galore, die – von Bond zum Guten bekehrt – Goldfingers Pläne doch noch vereitelt. Und „zum Guten“ bedeutet hier eben nicht nur zur Seite derjenigen, die für die Freiheit und Sicherheit der westlichen Welt und ihrer Goldreserven einstehen, sondern auch zur Heterosexualität. Denn vor ihrer Begegnung mit Bond ist Pussy Galore – im Buch ausdrücklich, im Film klar angedeutet – eine Lesbe. Und was könnte männlicher sein, als eine Lesbe durch pure Maskulinität zu bekehren und zum Dahinschmelzen zu bringen?

Jedenfalls, einige Jahre älter und reifer und einen Film nicht mehr allein an der Qualität seiner Actionszenen messend, kann ich nur bestätigen, was ohnehin jeder weiß: Goldfinger gehört zu den allerbesten Bond-Filmen und Gert Fröbe ist der beste Schurke der Serie, auch wenn er hier von Robert Rietty synchronisiert wird. Seine körperliche Präsenz, die kraftvolle und rücksichtslose Selbstverständlichkeit, mit der er im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht, um seine Ziele zu erreichen, seine märchenhafte Liebe zum Gold – das alles ist unübertroffen. Die Lasertischszene ist einfach nur groß, auch wenn man nicht Freud, übermächtige Vaterfiguren und Kastrationsängste zu ihrer Interpretation bemüht. Der Soundtrack, der Aston Martin, der unverhohlene Chauvinismus („Shocking – positively shocking“; „Men’s talk“), das mit Gold überzogene Mädchen, Sean Connery.

Auch wenn das Finale von Octopussy oder The Living Daylights besser ist.

From Russia With Love (1963) – R: Terence Young

Der zweite Bond-Kinofilm gehört ohne Zweifel zu den besten.

Connery agiert wieder souverän und männlich wie in Dr. No. Auch gibt es eine Männerfreundschaft, die besser erzählt ist als die Freundschaft zwischen Bond und Leiter im Vorgängerfilm oder die zwischen Bond und Quarrel, wenn man insofern überhaupt von einer Freundschaft reden will: nämlich die zu Ali Kerim Bey, gespielt von Pedro Armendariz. Armendariz gibt der Rolle etwas väterlich-herzliches, ohne dabei zu übertreiben und eine zu dick aufgetragene Jovialität an den Tag zu legen.

Teilweise neckt er Bond, zum Beispiel als er ihn ironisch fragt, ob er nur an der Dechiffriermaschine (nicht aber an der Frau) interessiert sei. Teilweise gibt er ihm väterlichen Rat, beispielsweise als er ihm beim ersten Treffen nahelegt, sich in Istanbul ein paar schöne Tage zu machen und dann wieder nach Hause zu fahren. Diese Szene knüpft hervorragend an die Gelassenheit an, die auch Kerim Beys Sohn zuvor bereits bei der Verfolgung durch den Citroen verbreitet: wir verfolgen sie, sie verfolgen uns – Tagesgeschäft eben.

Die vielleicht stärkste Szene ist das nächtliche Treffen von Bond und Kerim Bey vor der Ermordung Krilencus. Erst besteht Bond angesichts der Armverletzung Kerim Beys darauf, den tödlichen Schuss abzugeben. Auf Kerim Beys Einwand, dass er schon zu tief in seiner Schuld stehe, erwidert Bond nur: „How can a friend be in debt?“ Aber Kerim Bey weiß, dass es im Grunde seiner Verantwortung obliegt, Krilencu auszuschalten. Gerade weil er ein echter Freund ist, kann er diese Verantwortung – immerhin für die Tötung eines Menschen – nicht einfach Bond zuschieben. Folgerichtig besteht schließlich er darauf, trotz Armverletzung den tödlichen Schuss abzugeben. Und stark ist nicht zuletzt auch die Szene im Zigeunerlager: was kann zwei Männer mehr zusammenschweißen als zusammen zu trinken, einem Bauchtanz und einem Kampf zweier wunderschöner Zigeunerinnen zuzusehen und anschließend gemeinsam eine Schießerei durchzustehen? Hier werden innerhalb weniger Filmminuten Männerfantasien aufs wunderbarste komprimiert.

Natürlich hat der Film auch im übrigen viel zu bieten: eine Riege großartiger Schurken – die bösartige Rosa Klebb („A horrible woman“ – „She had her kicks“), der süffisant-eitle Kronsteen, der eiskalte und Bond an Professionalität fast ebenbürtige Robert Grant -, verkörpert von einer Riege ebenso großartiger Darsteller, eine gute Schauspielerin in der Rolle des Bond-Girls (Daniela Bianchi), was in der Bond Reihe auch nicht immer selbstverständlich ist, ein atmosphärisch eingefangenes Istanbul als Hauptschauplatz und einen klassischen Soundtrack.

Bleibt als Fazit nur die geschnittene Schlussszene zu zitieren: „What a performance!“

James Bond 007 – Agent des Zeitgeistes (2012) – A: Werner Greve

Werner Greve ist Psychologe und widmet sich dem tatsächlich erstaunlichen Phänomen des langlebigen Erfolgs der Bond-Filme: Von Dr. No bis Skyfall umfasst die Serie einen Zeitraum von 50 Jahren und 23 EON-Bonds. Das Buch ist erschienen, als der Titel des 23. EON-Bonds „Skyfall“ bereits feststand, der Film selbst aber noch nicht in den Kinos angelaufen war.

Zu Beginn des Buches gibt Greve das wissenschaftliche Programm vor: zunächst sollen für die Betrachtung die nicht-filmischen Erscheinungsformen Bonds (insbesondere die Romane) außen vor bleiben. Auch geht es nicht um die Psychologie Bonds, sondern umgekehrt um die Frage, welchen Beitrag Bond zur Psychologie leisten kann. Gerade der im Vergleich mit anderen erfolgreichen Filmreihen einzigartig langlebige Erfolg der Reihe verspreche interessante Einsichten in diesem Erfolg zugrundeliegende psychologische Phänomene.

Greves zentrale These: der Schlüssel zu diesem Erfolg ist, dass sich die Bond-Filme stets geschickt und bis in viele Feinheiten dem herrschenden Zeitgeist angepasst hätten. Das macht Greve insbesondere an den Schurken in den Bond-Filmen fest: Diese verkörpern stets ein gerade herrschendes Feindbild oder sind zu den Zeiten, zu denen ein klares Feindbild fehlt oder seine Darstellung heikel wäre, neutral gehalten.

Einige Ausführungen widmet Greve auch dem Wandel des Frauenbildes in den Bond-Filmen, wobei es ihm hier weniger überzeugend gelingt, seine zentrale These zu belegen. Die Bond-Filme – das räumt Greve selbst ein – zeigen im Hinblick auf die Darstellung der weiblichen Hauptrollen keine wirklich nachvollziehbare Entwicklung. Zu häufig wechseln sich hier selbstbewusste (z.B. Wai Lin/Michelle Yeoh, Tomorrow Never Dies/1997), karikaturhafte (z.B. Christmas Jones/Denise Richards, The World Is Not Enough/1999) und ambivalente (z.B. Natalya Simonova/Izabella Scorupco, GoldenEye/1995) Charaktere innerhalb kurzer Zeiträume ab.

Greves These ist nicht neu und für einen wirklich gründlichen Nachweis ist sein Buch etwas zu kurz und oberflächlich geraten. Auch stört, dass er teilweise Eigenheiten der deutschen Synchronisation als Belege für seine Ausführungen anführt – so etwa Algernon’s verächtliches „Pah… Rolex“ in Never Say Never Again, das eine pure Erfindung der Synchronisation ist. Im Original sagt er an dieser Stelle schlicht gar nichts.

Sympathisch ist andererseits, dass Greve als echter Bond-Fan schreibt und daraus insbesondere im persönlich gehaltenen Schlusskapitel keinen Hehl macht. Erstaunlich sind auch seine guten Voraussagen hinsichtlich des zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches noch nicht veröffentlichten „Skyfall“, die er aus seinen eigenen Überlegungen ableitet. So prognostiziert er zutreffend, dass Moneypenny nach ihrem Fehlen in Casino Royale (2006) und Quantum of Solace (2008) wieder mit von der Partie sein wird und (rückblickend besonders beeindruckend) dass das persönliche Verhältnis zwischen Bond und M weiter vertieft wird.

Erschienen ist das Buch 2012 im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht.

Moonraker (1955) – A: Ian Fleming

Der dritte James-Bond-Roman von Ian Fleming und meine Wahl für das „Lesetagebuch“, das wir einmal im Deutschunterricht schreiben mussten – lange ist’s her.

Im englischen Original werden Fleming’s Nazi-Bezüge deutlicher und immer wieder lässt der Autor auch seine Deutschkenntnisse aufblitzen, wenn er Krebs und Drax deutsche Wendungen in den Mund legt.

Wie in Casino Royale ist eine Konfrontation zwischen Bond und Schurken in einem Kartenspiel ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte. Hier ist die Konfrontation im Spiel im Gegensatz zu Casino Royale aber nicht als (Zwischen-)Höhepunkt in der Mitte des Buches angesiedelt, sondern stellt den Auftakt des Buches dar und führt zugleich Drax mit seinem exzentrischen Aussehen und seinen Marotten in die Geschichte ein. Wie in den beiden vorangegangenen Romanen auch widmet Fleming der Beschreibung seines Hauptschurken wieder sehr viel liebevolle Sorgfalt.

Das Kartenspiel ist noch besser als in Casino Royale, wo ich die Übergabe des Geldumschlags durch Leiter als deus ex machina etwas sehr abrupt und plötzlich fand (das fand ich im Film von 2006 besser umgesetzt, wo zwischen der Zwischenniederlage Bonds und dem Neubeginn mit den Geldern der CIA eine Spielpause liegt). Auch das Spiel selbst ist dramatischer beschrieben, wobei ich die Beschreibung aufgrund fehlender Kenntnisse des zugrundeliegenden Spiels allerdings auch nicht ganz nachvollziehen kann. Insbesondere den von Bond angewendeten Trick mit der Vorbereitung zweier, bis auf die Farbe gleicher Kartendecks verstehe ich nicht, was die Spielmechanik anbelangt. Klar war mir nur, dass Bond zuvor nicht weiß, mit welcher Deckfarbe gespielt wird, und daher für beide in Betracht kommenden Spielfarben ein Deck in petto haben muss. Auch hat es mich verwundert, dass der eigentlich von Drax angewendete Trick, die Spiegelung im Zigarettenetui, während des Spiels gar nicht aufgedeckt oder sonstwie von Bond verhindert wird. Aus einer Bemerkung Drax‘ am Ende des Buches wird aber deutlich, dass ihm klargeworden ist, dass Bond ihn diesbezüglich durchschaut hat.

Nach dem Kartenspiel liest sich der Roman eher wie ein klassischer Krimi als wie ein Agententhriller. Als einziger Bond-Roman – so gerade auf Wikipedia gelesen – spielt der Roman komplett in England. Der Verzicht auf Reisen an exotische Orte trägt zur Atmosphäre eines klassischen Krimis bei. Da aber nicht wirklich viel zu ermitteln ist und im Grunde ziemlich früh feststeht, dass Drax ein Bösewicht ist – ein groteskes, abnormes oder seltsames Äußeres deutet bei Fleming zuverlässig auf einen Schurken hin – funktioniert der Roman nicht so wirklich als Krimi und ist insgesamt etwas spannungsarm geraten.

Interessant ist Gala Brand, im Vergleich zu Vesper Lynd und Solitaire bisher vielleicht das zurückhaltendste und kühlste Bond-Girl. Im Gegensatz zu den beiden anderen genannten fährt sie dann am Ende des Buches auch nicht mit Bond in den wohlverdienten Erholungsurlaub. Ich habe das Gefühl, dass diese etwas strenge Polizistin auch nicht ganz Bond’s Typ gewesen wäre, auch wenn sie zwischendurch auftaut.

Insgesamt nicht Fleming’s bester, aber die Seitenhiebe auf die Deutschen amüsieren, das Kartenspiel ist großartig und die Krimiatmosphäre und das Girl sind ziemlich einzigartig.

Live And Let Die (1954) – A: Ian Fleming

Der zweite James-Bond-Roman von Ian Fleming.

Nach dem Kammerspiel Casino Royale bietet Live And Let Die erstmals den mondänen Flair, der die späteren Bücher und insbesondere Filme auszeichnen soll. Bond ist hier in New York und im Süden der USA unterwegs. Erstmals geht es auch nach Jamaika, eine Insel, die noch in mehreren Bond-Abenteuern eine Rolle spielen soll. Felix Leiter ist auch wieder mit von der Partie und wir lernen den Insulaner Quarrel kennen, der bei seinem (einzigen, wenn man Quarrel jr. in Live And Let Die/1973 nicht mitzählt) Filmauftritt in Dr. No von John Kitzmiller gespielt wird.

Felix Leiter wird durch einen Hai übel mitgespielt. Die Szene wurde – ebenso wie das Auffinden Leiters durch Bond mit dem Zettel „He disagreed with something that ate him“ und die Schießerei in dem Schuppen mit den Aquarien am Meeresufer – 1989 im Film Licence To Kill verwendet. Das Kielholen findet sich 1981 in dem Film For Your Eyes Only wieder. Im Roman gibt es auch eine lange Zugfahrt. Zugfahrten sind ja auch ein Klassiker bei James Bond, sowohl in den Romanen als auch in den Filmen – man denke nur an From Russia With Love.

Live And Let Die gehört zu meinen Lieblingsromanen von Fleming und das hat viele Gründe. Mr. Big ist ein großartiger Bösewicht, ich mag Fleming’s intensive Beschreibung dieses Gangsters mit dem großen, furchteinflößenden Körper und dem schwachen Herzen. Einzigartig bei diesem Roman ist auch das Voodoo-Motiv, das sich wie ein roter Faden (wie ein dumpfes Trommelschlagen im Hintergrund) durch den Roman zieht und ihm etwas übernatürlich-gespenstisches verleiht. Ähnlich wie der gleichnamige Film von 1973 verwischt das Werk die Grenzen zwischen purem Hokuspokus, dessen sich der Bösewicht zur Kontrolle von Menschen bedient, und „ernstgemeinten“ übernatürlichen Elementen wie Solitaires zweitem Gesicht, sechstem Sinn oder wie immer man das auch nennen will. Im Gegensatz zum Film geht aus dem Roman aber nicht – jedenfalls nicht eindeutig – hervor, dass Solitaires besondere Gabe an ihre Jungfräulichkeit geknüpft wäre.

Insgesamt ein kraftvoller, atmosphärisch ziemlich einzigartiger Bond-Roman mit schönen Schauplätzen, der trotz der langen Zugfahrt zwischendrin nie langweilig wird und mit einem erinnerungswürdigen Schurken aufwartet.

Dr. No (1962) – R: Terence Young

Der erste James-Bond-Kinofilm.

Fleming’s Wunschkandidat war David Niven, was ich bis heute nicht verstehen kann. Meist liest man, dass Fleming Niven als britischen Gentleman seiner Romanfigur angemessener fand als den rauhbeinigen Schotten Sean Connery – zumindest im Vorfeld des Filmes. Aber ein gebildeter britischer Gentleman ist auch der Bond der Bücher ganz sicher nicht.

Wie auch immer: Sean Connery war natürlich eine ideale Wahl. Beim gestrigen Anschauen des Filmes war ich beeindruckt von seiner kraftvollen, unverhohlenen Männlichkeit. In jeder Situation ist er Herr der Lage und weiß genau, was er will, ob nun im Umgang mit Frauen oder bei seinen Ermittlungen im Fall Strangways und seinem Vorgehen gegen Dr. No.

Joseph Wiseman gibt einen guten Bösewicht. Ich mag die verbale Konfrontation zwischen ihm und Connery am Tisch, wo Bond ihn systematisch zu provozieren versucht. Die unbeeindruckte Zielstrebigkeit und der Intellekt, die Wiseman der Figur verleiht, machen Dr. No zu einem der besten Schurken der Reihe.

Ken Adam’s Setdesign, das angesichts des eher bescheidenen Budgets des ersten Connery-Auftritts („One million dollar, Mr. Bond – You asked yourself how much it cost“) umso beeindruckender ist  (am besten ist der Spinnen-Übergaberaum mit dem kreisförmigen, vergitterten Fenster in der Decke, und der Kontrollraum am Ende deutet schon die Megalomanie späterer Bond-Filme an), der Soundtrack mit bedrohlich-science-fiction-artigen Elementen auf der einen, und sexuell aufgeladenen gute-Laune-Liedern („Underneath the Mango Tree“) auf der anderen Seite sowie gut in Szene gesetzte Momente (Bond’s Einführung zu Beginn, Dr. No’s Röhrensystem) runden den Film ab.

Casino Royale (1953) – A: Ian Fleming

Der erste James Bond-Roman mit Bond’s Rezept für den „Vesper“: Three measures of Gordon’s, one measure of vodka and half a measure of Kina Lillet…

Beeindruckend, Fleming’s Erstling noch einmal zu lesen. Bond’s Beziehung zu Vesper definiert bereits sein Verhältnis zu den späteren Frauen in seinem Leben. Das Kapitel mit seinen moralphilosophischen Betrachtungen zum Wesen von Gut und Böse hatte ich gar nicht mehr in Erinnerung. Interessant auch hier wieder zu beobachten: Der Bösewicht als Vaterfigur. Le Chiffre nennt Bond beständig „my boy“ und erzählt ihm, dass er beim Indianerspielen versehentlich in ein Spiel für Erwachsene geraten sei – das Ganze, während er Bond mit einem Teppichklopfer seiner Männlichkeit zu berauben versucht. Bzw. ihn in einen Eunuchen zu verwandeln, wie es Rene Mathis später im Krankenhaus so schön ausdrückt.

Überrascht war ich auch, wie dicht sich die Verfilmung aus dem Jahr 2006 mit Daniel Craig in der Hauptrolle an das Buch hält. Der Mann mit der Augenklappe am Ende des Filmes ist dem Buch entnommen und heißt wie dieser Gettler. „The bitch is dead“ ist ein Originalsatz aus dem Buch. Auch Bond’s Aussage hinsichtlich seines zweiten Opfers in Ausübung des Dienstes, der norwegische Doppelagent in Stockholm, dass diese zweite Geschichte nicht so sauber abgelaufen sei wie die erste, findet sich mehr oder weniger wörtlich im Film wieder.

Großartig auch Bond’s Monolog zu Beginn des Buches über das Wesen des Glücks. Pech gibt es nicht, nur schlechtes Spiel, und das Glück ist ein Diener und in mancherlei Hinsicht wie eine Frau…

Never Say Never Again (1983) – R: Irvin Kershner

Connery sichtlich entspannter als in den Sechzigern, als es ihm zuletzt offenbar nur noch auf den Geist ging, James Bond spielen zu müssen. In keinem (kaum einem) anderen Bond hat er so viele Frauen wie hier.

Überhaupt ist der Film ausgesprochen gelassen und macht einfach Spaß. Brandauer als psychotischer Largo, Carrera als durchgeknallte Fatima, viele witzige Ideen (Zigarrenetui als Bombe, um nur ein Beispiel zu nennen), ohne so zu übertreiben, wie in den Moore-Filmen. Großartig ist auch das Laserduell zwischen Connery und Brandauer.

Gegen Ende hin schwächelt der Film dann; das Finale ist nicht sehr überzeugend. Insgesamt ist der Film etwas lang und langatmig geraten. Trotzdem: insgesamt ein toller Bond, den ich nicht als „inoffiziellen“ Beitrag zur Reihe missen möchte.